Mißverhörnisse

Gestern bot sich mir zum wiederholten Male ein Artikel dar, in dem es darum geht, daß Menschen sich ständig verhören. Das brachte mich dazu, ein Buch hervorzuholen, das ich vor ungefähr einem Jahr gekauft habe: Der weiße Neger Wumbaba von Axel Hacke und Michael Sowa.

In diesem wundervollen kleinen Büchlein geht es ebenfalls ums Verhören, um das Mißverstehen von Liedtexten, um genau zu sein. Axel Hacke ist Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und brachte eines Tages einen Artikel über eben jene Liedtexte, die man nie so richtig versteht. Daraufhin erreichte ihn eine wahre Flut von Leserbriefen, in denen Menschen ihre eigenen "Erlebnisse" schilderten. Aus diesen Briefen und anderen Quellen (Gespräche, Internet &c.) hat er Der weiße Neger Wumbaba zusammengestellt. Michael Sowa hat das Ganze dann herzlichst illustriert. Ich möchte Euch nun einige Höhepunkte daraus vorstellen:

Da wäre zuallererst der Titel des Buches. Aus "… und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar" (eine Zeile aus dem im deutschen Sprachraum sehr bekannten Lied "Der Mond ist aufgegangen") entstand "der weiße Neger Wumbaba."

Der Refrain zu Hot Chocolates "You Sexy Thing" wird gleich mehrmals vergewaltigt. "I believe in knuckles" oder "I believe in Malcolm" wurde für dessen erste Zeile gern mitgesungen. Das Original lautet aber: "I believe in miracles / Since you came along / You Sexy Thing." Jemand anders hat die letzte Zeile in "You saxophone" umgedichtet.

Dem "Paperback Writer" der Beatles ist es ähnlich ergangen: "Take the back right turn," "Pay for that Chrysler" und "Hi, barebacked rider" sind nur einige Auswüchse der Phantasien der Musikliebhaber.

Madonnas "La Isla Bonita" ist zwar kein schönes Lied und der Text auch nicht überragend, aber das "Mißverhörnis" ist Gold wert. "Tropical the island breeze / All of nature wild and free / This is where I long to be / La Isla Bonita" wird zu "Just call me an island sleaze / All my body yours for free / This is who I long to be / Louise the Bone Eater." Das ist so weit vom Original entfernt, daß sich jemand bestimmt kreativ daran zu schaffen gemacht hat. Trotz allem könnte ich mir aber "Louise the Bone Eater" als echten Verhörer vorstellen.

Aus "Komm, Herr Jesus, sei unser Gast" wurde "Komma Jesus, sei unser Gast."

Ein kleines Kind hat aus einem Erzbischof einen "Erdbeerschorsch" gemacht. Köstlich.

Laut Axel Hacke heißen solche Verhörer im Englischen "Mondegreen." Das soll Sylvia Wright zu verdanken sein, die 1954 im Harper’s Magazine einen Artikel dazu schrieb. Als Kind hörte sie in dem schottischen Lied "The Bonny Earl of Murray" immer "They ha’e slain the Earl of Murray / And Lady Mondegreen." Tatsächlich heißt es: "They ha’e slain the Earl of Murray / And laid him on the green." Also reden wir heute von "Mondegreens."

Udo Jürgens’ "Griechischer Wein" wird zu "Kriech nicht da rein."

Zum Abschluß noch ein Klassiker der Beatles: "She’s Got a Chicken to Ride." Na, das Original erkannt?

Das Buch kann ich sehr empfehlen. Es sorgt für ein paar schöne, von Lachen erfüllte Stunden. Allerdings nicht genug, denn es ist nur etwa 60 Seiten dick. "Langsam lesen" lautet also die Devise.

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Daily Cartoon [high class humor this time]

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