Swissify Me!

ja, grüezi wohl!

nach zehneinhalb jahren im land und mittlerweile auch sieben jahren in kanton und gemeinde stellte sich mir doch schon ab und zu die frage: “soll ich mich einbürgern lassen?” relativ schnell bin ich dann zu dem schluss gekommen, dass es lächerlich wäre, diese frage nicht mit einem deutlichen “JA” zu beantworten. ich zahle nun schon seit einigen jahren meine steuern — und das nicht zu knapp — aber bei den zahlreichen volksabstimmungen kann ich nicht mitwählen. WTF!?!

alsdann bin ich auch gleich zum migrationsamt (BDM) gestiefelt und hab mich nach den voraussetzungen und dem papierkram erkundigt. lobenswert ist diese basler behörde in der hinsicht, dass man dort ganz ohne voranmeldung einmarschieren kann. (wie wir deutschen das ja so gerne tun.) 12 jahre muss man insgesamt in der schweiz gelebt haben. bei mir sind es zwar, wie schon erwähnt, nur zehneinhalb, aber (glücklicherweise) zählt die im land verbrachte zeit zwischen dem 10. und 20. lebensjahr doppelt. also komme ich rechnerisch auf 12.5 jahre. die voraussetzungen auf gemeinde- und kantonsebene variieren sehr stark; basel bewegt sich hier mit 5 jahren im mittelfeld. also konnte ich auch dort ein häkchen machen.

das wars auch schon. mehr quantifizierbare voraussetzungen braucht es nicht. der rest ist papierkrieg, der relativ leicht zu bewältigen ist. da das gute BDM allerdings aus mir völlig unerklärlichen gründen eine originalgeburtsurkunde braucht, die nicht älter als 6 monate ist, war noch eine reise in die vergangenheit angesagt — also ein ausflug in das 600 km entfernte standesamt meines geburtsortes. ich finde, mein wie selbstgemacht aussehendes, mit hammer-und-sichel-emblem geprägtes existenzdokument von vor mehr als 28 jahren hätte es auch getan. aber widerstand ist ja bekanntlich zwecklos. zusätzlich klingt es auch nach “schildburghausen,” wenn man als deutschmuttersprachler einen nachweis über die sprachkompetenz erbringen muss; entweder in form von sekundarstufe-II-schulzeugnissen, diplomen à la goethe-institut oder, wenn man das alles nicht (mehr) hat, einer effektiv zu absolvierenden sprachprüfung. für einbürgerungswillige, für die deutsch eine fremdsprache ist, ist diese sprachstandanalyse ja durchaus sinnvoll. aber für muttersprachler? seriously?

sechs wochen nach dem informationsgespräch und scheinbar endlosem kopfzerbrechen über die vierte referenzperson ist es morgen soweit. ich reiche das gesuch zur schweizifizierung (“helvetifizierung” für die alteingessenen) meiner person ein. man darf gespannt sein, was dabei herauskommt.

ein bewerbungsgespräch, etwa 2 jahre und zusätzlich 2250.- franken verfahrensgebühren später werde ich mehr wissen. aus diesem grund möchte ich gerne diese meine seit einem halben jahrzent vernachlässigte veröffentlichungsplattform wieder aufleben lassen und den ganzen prozess etwas ausführlicher, als auf twitter oder facebook möglich ist, dokumentieren.

unabhängig vom ausgang dieses unterfangens möchte ich mich schon einmal bei allen bedanken, die sich vor den einbürgerungsinstanzen für mich verbürgen. wenn das alles vorbei ist, gibts einen fondueabend bei mir — mit thüringer rostbratwürsten als brotersatz zum zeichen der integration.

in diesem sinne,
live long and proschpr.